Fokussieren

29. Dezember 2011 | Von | Kategorie: Allgemein, Hugo Berg

Das Fest der Liebe ist vorbei. Und die Liebe ist das Wichtigste im Leben. Nun hat der Januar nicht nur das neue Jahr sondern auch den Alltag mit seinen tausend Kleinigkeiten gebracht. Kleinigkeiten, die es immer wieder schaffen, diese wichtige Liebe zu überdecken. Ich meine nicht nur die Liebe zu einer Person, einem Tier oder der Familie. Ich meine die Liebe, mit der man Dinge tut. Die Liebe, von der man spricht, wenn man sagt, man habe etwas mit Liebe gemacht und da stecke viel Liebe drin.

Ich fotografiere gerne. Auch wenn bei diesem Satz jede Überleitung fehlte, ist doch Folgendes gemeint: Wenn ich die Welt durch den Sucher einer Kamera sehe, dann fokussiere ich mich auf das mir in diesem Moment Wichtige. Alles andere wird weggeblendet und kommt nicht auf das Bild. Der Alltag mit seinen vielen Dingen, die es zu tun gilt, und die Welt mit ihren vielen Forderungen werden durch die Kamera überschaubarer und interessanter, weil ich mir die Dinge genauer ansehe, genauer ansehen kann.

Nur wenn wir genau hinsehen, können wir etwas mit Liebe betrachten. Etwas oberflächlich zu betrachten, heißt etwas schnell anzuschauen – ohne Liebe zum Detail –  eine Kamera gibt mir diese Detailverliebtheit wieder.

Ich finde es heutzutage schwierig, sich die Zeit zu nehmen, die man braucht, um etwas mit Liebe zu machen oder auch
nur liebevoll anzusehen. Es gibt einfach zu viele Dinge, zu viele Informationen, zu viel von allem. Und alles muss beachtet werden!

Unser Gehirn hat unter anderem die Aufgabe, die Fülle der Informationen, die uns umgeben, nach Wichtigem und Unwichtigem zu filtern. Dies funktionierte früher auch sehr gut. Gingen wir zu Zeiten der Jäger und Sammler in den Wald, dann bemerkten wir nicht jeden einzelnen Baum und betrachteten schon gar nicht jedes einzelne Blatt, aber wir fanden die Beeren und bemerkten den Bären hinter einem Baum. So konnten wir Menschen unser Leben in Sicherheit bringen.

Heute ist es fast genau so. Nur achten wir in der Stadt auf Autos, die den Verkehr unsicher machen und sich hinter Werbetafeln verstecken könnten. Wir achten aber auch auf die Autos auf den Werbetafeln. Und wir haben gelernt, fast jedes Blatt Papier zu beachten, damit wir die beste Versicherung finden, die unser Leben sicherer macht. Anstatt nach Beeren zu suchen und Bären zu meiden, lernten wir Autos im Blick zu haben und gute Angebote zu finden, damit wir uns die Versicherungen auch leisten können.

Und manchmal, wenn der Alltag wieder voll von Dingen ist und ich keine Kamera dabei habe, dann schaue ich mir die Welt mit dem gleichen suchenden Blick an und frage mich, ob das, was ich gerade erlebe, ein Foto wert ist.

Alles ist ein Foto wert, das macht die Welt so wertvoll.

Hugo Berg

Schlagworte: , ,

Schreibe einen Kommentar